Viele Drehbuchautoren schwören auf Karteikarten, wenn es darum geht, die wesentlichen Handlungsschritte einer Geschichte zu erarbeiten. Diese Technik ist besonders hilfreich, wenn es bei der Geschichte mehrere Action-Sequenzen, Zeitsprünge gibt oder komplex miteinander verwobene Handlungsstränge. Ich benutze sie in etwa 50% der Fälle, alternativ arbeite ich oft auch lediglich mit einem Beat-Sheet oder einer Outline*. Augenblicklich schreibe ich gerade an einer Outline und nutze parallel Karteikarten, um die Anordnung der Ereignisse bestmöglich auszutüfteln. Deshalb hier ein paar kurze Tipps dazu, wie man diese Technik am besten für sich nutzen kann.

1. Eine Karte repräsentiert einen wesentlichen Handlungsschritt, bzw. ein wesentliches (emotionales oder anderes) Ereignis. Dabei kann es sich um eine Szene oder auch um eine Sequenz handeln. Wichtig ist, nicht jede Kleinigkeit auf einer Karteikarte zu notieren. Dann wird’s nämlich schnell unübersichtlich und kontraproduktiv.

2. In der Kürze liegt die Würze. Nicht mehr als 7 Worte pro Karteikarte, besser weniger.

3. Groß schreiben. Die Karte sollte auch aus etwas Entfernung gut lesbar sein.

4. Ereignisse unabhängig vom Zeitpunkt benennen. Beispiel: “Messerkampf im Restaurant” statt “Finaler Kampf”. Damit hat man die Möglichkeit, die Ereignisse zeitlich neu/anders anzuordnen.

5. Eine Magnettafel oder ein Korkbord sind für die Arbeit mit Karteikarten nützlich. Manchmal arbeitet es sich aber besser auf einer horizontalen Arbeitsfläche (Tisch, Fußboden), als vertikal. Vorteil: man muss sich nichts extra anschaffen. Einfach mal ausprobieren.

6. Post-It Notes funktionieren als Karteikarten-Ersatz.

7. Überlegt euch eine eigene Farbkodierung: wenn ihr schauen wollt, wie der Rhythmus eures Films ist, könnt ihr z.B. andersfarbige Karteikarten für Action-Sequenzen benutzen. Oder wollt ihr schauen, wie die einzelnen Handlungsstränge miteinander verwoben sind? Dann nehmt für die Haupthandlung, sowie jeweils für jede Nebenhandlung andersfarbige Karteikarten.

8. Karteikarten kosten nicht viel. Scheut euch nicht, die Handlungsschritte zu überarbeiten und Karten auszutauschen/neu zu schreiben.

9. Wer (wie ich) eine unleserliche Handschrift hat, kauft sich farbiges Papier, legt im Textverarbeitungssystem ein Template für Karteikarten an, beschreibt sie im Computer, druckt sie und schneidet sie anschließend aus. 160g Papier funktioniert mit einem üblichen Laserdrucker noch sehr gut; auf eine A4-Seite passen bequem 10 Karteikarten.

10. Die meisten Filme lassen sich mit 50 oder weniger Karten sehr gut zusammenfassen. Die Arbeit mit dem Ausschneiden hält sich also in Grenzen.

 

*Ein Beat Sheet, bzw. eine Outline ist eine nummerierte Abfolge aller wesentlichen Handlungsschritte, die es der Drehbuchautorin, bzw. dem Drehbuchautor erlaubt, die Geschichte auf ihre Logik, mögliche Löcher und Erzähl-Rhythmus zu überprüfen.

 

 

© 2017   Nicole Mosleh